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In Anbetracht der überwältigenden geopolitischen, umweltbezogenen, demographischen und technologischen Veränderungen denken viele Unternehmen darüber nach, agiler zu werden oder sich in Bezug auf die Agilität sogar einem radikalen Wandel zu unterziehen. Bei den Flurgesprächen, in den Vorstandssitzungen, Führungsseminaren und bei den Unternehmensleitbildern fällt regelmäßig der Begriff Agilität mitsamt den Synonymen Anpassungsfähigkeit, Wendigkeit, Flexibilität und Resilienz. Allerdings wird nur selten definiert, was darunter zu verstehen sein soll, und häufig kommt es zu einer Verwechslung mit Softwareentwicklungsprozessen, Führungseigenschaften und sonstigen damit in Verbindung stehenden Vorstellungen. Die Beziehung zwischen Agilität und Organisationsentwicklung wurde bisher noch nicht ausführlich diskutiert. In diesem Essay wird beschrieben, weshalb die Konzepte Organisationsentwicklung (OE) und Agilität zusammenpassen und sich gegenseitig ergänzen.

Bei der Agilität handelt es sich um eine fortgeschrittene organisatorische Fähigkeit, die dem Unternehmen eine schnellere, effektivere und nachhaltigere Reaktion auf veränderte Umstände ermöglicht als den Wettbewerbern. Um diese Fähigkeit zu illustrieren, haben einige Kollegen und ich die „Agilitätspyramide“ entwickelt. Ein agiles Unternehmen benötigt interdependente Agile-Routinen, klar abgegrenzte Fähigkeiten und Managementpraktiken.

Das reine Wissen darüber, welche Strukturen, Systeme und Prozesse ein Unternehmen agil machen, reicht allerdings noch nicht aus, um die Agilität tatsächlich zu erreichen. Unternehmen, die den Wandel zur Agilität schaffen möchten, müssen einen Prozess der geplanten strategischen Veränderung durchlaufen.

Nach einiger Zeit werden sich die stärkeren Managementprozesse, die immer wieder neu aufgebauten Alleinstellungsmerkmale und die Ausrichtung an der Veränderung in starken Agile-Routinen niederschlagen.

In der OE ging es schon immer darum, anpassungsfähige Unternehmen zu entwickeln. Und dies sollte auch in Zukunft so bleiben. Die Gestaltung strategisch geeigneter Änderungsprozesse und Einsätze ist die Stärke der Organisationsentwicklung, und die Organisationsentwickler sollten auch weiterhin auf ihr Prozessverständnis zurückgreifen. Damit die Organisationsentwicklung einen Beitrag zur Unternehmensagilität leisten kann, müssen sich die Organisationsentwickler den Fähigkeiten und Wissensgebieten widmen, die zu den Prinzipien und Rahmenwerken der Strategie, des Unternehmensdesigns und der Unternehmensfähigkeiten in Bezug stehen.

Der ursprüngliche Zweck der Organisationsentwicklung war die Wissens- und Fähigkeitenübertragung an die Systeme des Kunden, damit sich dieser selbst verändern konnte. Durch eine erneute Zuwendung zu diesem Zweck und den ursprünglichen Methoden (Einbeziehung des menschlichen Prozesses und des Unternehmensdesigns) kann die Organisationsentwicklung einen relevanten Beitrag zur Agilität leisten.

 

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