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Was ist die Generation Z?

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Die Generation Z wurde von der Mitte der 1990er-Jahre bis etwa 2010 geboren und kommt derzeit gerade ins Studentenalter. Um diese Generation mit einem einzigen prägnanten Satz zu beschreiben, ist sie noch zu jung. Laut der Gesellschaftsforscherin Prof. Susan Weber-Stoger besteht die Generation Z aus 60 Millionen Menschen und zählt damit eine Million mehr Mitglieder als die Vorgängergeneration Y. Auch zeichnet sich die Generation durch eine stärkere Vielfalt aus. Von 2000 bis 2010 wuchs der hispanische Bevölkerungsanteil in den USA vier Mal so stark wie die gesamte US-Bevölkerung.

Die Generation Z ist also groß und vielfältig. Und was macht sie sonst noch aus? Einige Stichworte sind: Übersättigung, Unternehmergeist, Multiscreen, WLAN-Multitasking. Dies hängt mit dem gesellschaftlichen Kontext zusammen, in dem diese Menschen heranwachsen. Die Kombination von Eltern aus der Generation X, 9/11, ununterbrochenen Kriegen, Terrorismus, Massenmigrationen, der großen Rezession und einem immer breiteren Angebot an allgegenwärtigen Technologien machen diese Gewohnheiten zur Norm. Hierzu David Bell, Marketingprofessor an der Wharton School und an der CrossKnowledge-Fakultät: «Während die Millennials die Digital Natives waren – weil sie sich mit digitalen Technologien wohlfühlten und scheinbar von alleine damit umgehen konnten, ist die Generation Z die erste Generation, die das Internet immer dabei hat.»

Aber es handelt sich um mehr als nur passive Medienkonsumenten. Die Generation Z ist aktiv und klug. Meine Tochter hat zum Beispiel gerade ein Finstagram-Konto eröffnet. Mit diesem „Fake Instagram“ kann sie herumalbern, ohne an der perfekten Onlinepersönlichkeit feilen zu müssen. Auch Snapchat ist populär, weil es den kurzlebigen Aspekt verkörpert und den digitalen Lebenslauf nicht gleich in Stein meißelt. Das Googeln ist zum Reflex geworden. Weshalb auf eine Antwort warten? Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass es zur Herausforderung werden kann, qualitativ hochwertige Quellen zu finden und komplexe Probleme zu lösen. Diese Generation vertraut mehr auf Freunde und Verwandte als auf traditionelle Autoritätspersonen; Top-down-Praktiken für Engagement dürften also zum Scheitern verurteilt sein.

Die Generation Z lernt und ist kreativ zugleich. Ihre Vertreter sind in gleichem Maße geborene „Medienmacher“ wie Konsumenten. Die App Musical.ly ist beliebt, weil die Teenager sich damit in einen Hit hineinprojizieren und diesen neu interpretieren können. Das Ergebnis können sie mit Freunden und einer Onlinegemeinde teilen. Mit Makey Makey können die Benutzer ihren Computer mit beliebigen Alltagsgegenständen steuern, zum Beispiel mit Bananen. Hierfür notwendig sind lediglich etwas Elektronik und Anfängerkenntnisse in Programmierung. In den Sommerferien nehmen die Kids heutzutage an Camps teil, in denen die Grundlagen für Programmierung und Unternehmertum vermittelt werden. Es handelt sich also um eine wirklich kluge, unternehmerische und erfahrungslustige Learning-Generation, was vor dem Hintergrund der stetigen Unsicherheit, die sie erfahren, auch nicht verwunderlich ist.

Darüber hinaus wächst die Generation Z auf, während das Internet der Dinge unser Leben verändert. Autos wie Mercedes erkennen mittlerweile, wenn die Spur verlassen wird und lösen automatisch auf einer Seite einen Bremsvorgang aus, um das Fahrzeug wieder zurück zu lenken. Die Thermostate von Nest (das mittlerweile zu Google gehört) ermitteln Ihre Gewohnheiten und passen die Heizung in Ihrer Wohnung automatisch daran an. General Electric baut Sensoren in Industrieausrüstung ein, mit denen Probleme erkannt und der Service benachrichtigt werden kann, bevor es zum Ausfall kommt. Diese tiefgreifenden Veränderungen ziehen es nach sich, dass neue Geschäftsmodelle mit höherer Frequenz als früher eingeführt werden.

Und diese neuen Geschäftsmodelle werden die Arbeitswelt der Generation Z auf eine bestimmte Art und Weise prägen, die wir heute noch nicht genau definieren können. Wir können aber vorhersagen, dass Informatikkenntnisse immer wichtiger werden; analytische Fähigkeiten sind bereits sehr wichtig. Wir wissen, dass sich alle wiederholbaren Aktivitäten automatisieren lassen. Wir müssen also kritisches Denken und kreatives Problemlösen höher bewerten.

Sind Sie bereit?

Wie wünscht sich diese Generation, die gerade in unsere Unternehmen eintritt, von uns Learning- und Entwicklungsspezialisten aufgenommen zu werden? Auf der menschlichen Ebene müssen wir alle lernen, anders über Geschäftsmodelle nachzudenken. Wie können wir Werte schöpfen? Welche analytischen Fähigkeiten sind dafür notwendig, um die riesigen Informationsmengen, die uns zur Verfügung stehen werden, mit menschlichen Werten anzureichern? Stichworte für das Learning der Generation Z lauten:

Visualisierung. Die Generation Z ist mit fesselnden Spielen aufgewachsen. Sie ist auf bereichernde und anregende Learning-Erfahrungen eingestellt. Das ist auch gut so, denn weshalb sollten Learning und Entwicklung keinen Spaß machen? Es bedeutet auch, dass die Lernenden innerhalb weniger Sekunden auf die Inhalte zugreifen möchten. Schlechte Schnittstellen behindern also den Lernprozess.

Erfahrungs- und Projektbezug. Die Generation Z ist gut darin, Lösungen zu finden. Lassen Sie sie das Problem simulieren. Erlauben Sie ihr, Dinge zu erforschen und Fehler zu machen. Durch das erfahrungsbezogene Lernen versteht diese Generation, weshalb ein bestimmter Ansatz im betreffenden Kontext der Richtige ist. Ganz gleich, ob mit Google Drive in der Schule oder mit Song- und Videoapps in der Freizeit – die Generation X ist daran gewöhnt, digitale Inhalte zu kreieren. Das herkömmliche Lernen „von oben nach unten“ ist nicht mehr gefragt. Die Lernenden schöpferisch tätig sein lassen und auf diese Weise das Wissen als Lehrer unter Beweis stellen – das kommt an und ist eine erprobte Methode, Verständnis zu zeigen.

Kleine Pakete. Die gleichzeitige Bearbeitung mehrerer Aufgaben – oder, wie es heute heißt, Multitasking – ist zur Realität geworden. Überlegen Sie, was Sie in kleinen, eventuell aneinandergereihten Portionen liefern können. Sie können die kurze Aufmerksamkeitsspanne am besten nutzen, wenn Sie die Konzentration der Lernenden mittels Gamification wiedergewinnen. Das Bedürfnis nach sofortiger sozialer Befriedigung ist ein nachgewiesener Motivationsfaktor.

Miteinander. Das Lernen ist heutzutage de facto sozial, digital und mobil. Das mag uns als ein hoher Anspruch erscheinen, in Wahrheit ist es aber eine Rückkehr zu den Wurzeln des Lernens: Dies fand jahrhundertelang gemeinsam und nicht im Klassenzimmer statt. Im heutigen digitalen Zeitalter können wir wieder neue Wege der Zusammenarbeit finden. Es geht nicht mehr länger um den klassischen Lehrer, sondern mehr um einen Coach oder einen Mentor, der den Lernenden – ortsunabhängig – bei der Entscheidungsfindung unterstützt, anstatt ihm zu sagen, was er tun soll. Da außerdem tragbare Technologien sich immer stärker ausbreiten, können das Lernen und das Tun miteinander verschmelzen. Ihre Uhr kann Ihnen Auskunft über Ihren Puls und Ihre Hauttemperatur geben. Unter Umständen weiß sie sogar, mit wem Sie sich gerade treffen. Weiterhin könnte die Uhr Ihre Stimme aufzeichnen und erkennen, ob Sie sich in einer schwierigen Situation befinden. Später könnte sie Ihnen die Sätze noch einmal vorspielen, die Stress bei Ihnen erzeugt haben. Wäre das nicht ein wunderbarer Coach? Überlegen Sie sich, wie sie den Lernenden (auch ohne Smartwatch) bei Bedarf Zugang zu den wichtigen Lernpunkten gewähren können.

Nicht nur für die Generation Z, sondern für alle. Erfahrungsbezogen, visuell, schnell, sozial und ständig verfügbar – diese Konzepte gefallen nicht nur der Generation Z, sondern ermöglichen es allen Mitarbeitern, sich an die Art anzupassen, wie die Welt heutzutage tickt. Wir sind zwar alle vom Kontext unserer Generation geprägt, aber das Alter ist auch eine Einstellungssache, also lassen Sie uns gemeinsam lernen und wachsen!

 

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